Vortrag Kraft mit AC

Bei der Betrachtung von Horoskopen und in der Beratungssituation ist es mir ein besonderes Anliegen, einen inneren Zusammenhang zu sehen, eine Struktur im Horoskop zu erkennen, die erklärt, warum für einen Menschen das ein oder andere Thema eine Herausforderung darstellt, warum es für den Horoskopeigner nicht leicht ist, das ein oder andere Bedürfnis zu leben. Sehr hilfreich dabei ist die Betrachtung des Aszendenten.

Der Aszendent, als das Anliegen der Geburt, als das “in die Materie gestürzte Prinzip”, das zunächst weniger bewußt gelebt, sondern in die körperliche Gestalt hinein verzaubert zum Ausdruck kommt. Oft wird der Aszendent auch als die Kraft beschrieben, die der Mensch ganz weit in den Schatten geschoben hat, die er an sich keinesfalls wahrhaben will und dennoch hat diese Kraft des AC eine Art Eigendynamik, die vom Augenblick der Geburt an wirkt und alles daran setzt, ans Licht zu kommen.

Wie macht sie das? Vereinfacht ausgedrückt, sie schafft alles beiseite, was ihr im Wege steht.
Was steht ihr im Wege? Besonders die Entfaltung von Energien, die in Widerspruch zu ihrer eigenen stehen.

Schauen wir uns das an dem Horoskopbeispiel von Albert Schweitzer an.

Wir haben hier ein Horoskop mit einem Waage-AC. Dieser Mensch tritt also in die Welt, angetrieben von einer Energie die ausgleichen will, die objektivieren will, die in der Lage ist, beide Seiten zu sehen und die die Anliegen der anderen, der Gemeinschaft, zu ihren eigenen machen möchte. Ob der Horoskopeigner sich dessen bewusst ist, zu all dem JA sagt oder keine Ahnung von seiner Veranlagung hat, sie an sich vielleicht gar nicht sehen kann, spielt für die Struktur des Horoskopes keine Rolle. Sein Lebensplan ist so angelegt, dass die Kraft des Waage-AC zur Entfaltung kommt und alles, was der Horoskopeigner evtl. an gegenläufigen Bedürfnissen hat, zunächst abgebremst wird, auf Widerstand stößt, vereinfacht gesagt, einen schweren Stand hat.

Was könnte die Entfaltung eines Waage-AC erschweren oder gar verhindern? Zum einen zu starkes Bedürfnis, den eigenen Kopf durchzusetzen, ein zu starker Wille nach Selbstbehauptung – also die Kraft des Widders, die von Natur aus der Kraft des Waage-Prinzips entgegengesetzt ist. Schauen wir uns also an, wie es dem Mars als Vertreter des Widder-Prinzips hier geht:

Leicht hat er es sicher nicht, mit Uranos einerseits und Saturn andererseits im Quadrat. Wenn hier der “Krieger” sein Schwert ziehen will, um seinen ganz persönlichen Willen durchzusetzen, wird ihn die unruhige Kraft des Uranos zunächst ganz nervös und zittrig machen und der Einfluß des Saturn von der anderen Seite her ihn ängstigen und zögern lassen. Fast sieht es so aus, als ob mit Uranos und Saturn “Schicksalsmächte” von Anfang an dafür sorgen, daß in diesem Fall eine Eigendurchsetzung nur dann genehmigt ist, wenn sie höheren Zielen dient.

Der Mars wird sozusagen erzogen (Saturn) und auf gemeinschaftliche Ideen hin ausgerichtet (Uranos), nur dann darf er aktiv werden, denn so “getrimmt” stellt er keine Gefahr mehr für den Waage-Aszendenten dar, dessen Anliegen Frieden und Gerechtigkeit sind und eben nicht Krieg und Streit.Weitere Energien, die nur schwer mit dem Waage-AC zu vereinbaren sind, sind die Prinzipien, die im Quadrat dazu stehen, hier: Krebs und Steinbock.

Schauen wir es uns im einzelnen an:
Herrscher des Zeichens Krebs ist der Mond. Mond ist die subjektive Kraft schlechthin, die Kraft, die dazu befähigt, sich den eigenen ganz persönlichen Empfindungen zuzuwenden, also ganz nach innen zu gehen und über eigenes zu reflektieren. Diese seelische Kraft steht damit zunächst im Widerspruch zur geistigen Kraft der Waage, des Prinzips der luftigen Objektivität.

Damit die ureigenen seelischen Bedürfnisse – Mond – hier nicht die Oberhand gewinnen, wurde Neptun gleich daneben gestellt, was sich zunächst als eine Schwächung, als eine Lähmung des subjektiven Prinzips bemerkbar machen mag, andererseits den Mond dahingehend sensibilisiert, nicht nur die eigenen Bedürfnisse, sondern auch die der Allgemeinheit und vor allem die der Schwachen (Neptun) wahrzunehmen.
Wie schon beim Mars wurde auch beim Mond eine “Schicksalsmacht”, eine überpersönliche Kraft dafür eingesetzt, eine Regulierung im Sinne des AC vorzunehmen.

Betrachten wir als letztes Saturn als Herrscher des Steinbocks. Steinbock, ebenfalls ein Zeichen, das von seiner Natur her im Quadrat, also im Widerspruch zum Prinzip Waage steht.

Saturn ist die Kraft der Strukturierung, sie steht für die Fähigkeit Grenzen zu setzen, NEIN zu sagen und damit erst mal in Konflikt zu der von der Waage geforderten Offenheit und Kompromißfähigkeit. Hier hat Uranos, der in Opposition zu Saturn steht, die Aufgabe übernommen, im Zweifelsfall zuviel Starrheit aufzubrechen und den Weg freizumachen für Ausgleich und Harmonie, also im Sinne des Waage-AC.

Den strukturellen Zusammenhang, den ich hier kurz am Horoskop von Albert Schweitzer aufgezeigt haben, kann man mehr oder weniger deutlich an jedem beliebigen anderen Horoskop nachvollziehen. Dieser Zusammenhang erklärt nicht alle schwierigen Konstellationen, aber immer wieder zeigt es sich, daß Energien, die dem Anliegen des Aszendenten zuwider laufen, sich nicht ohne weiteres entfalten können. Gemeint sind hier in erster Linie die Kräfte, die in Opposition oder im Quadrat zum AC stehen.

So wird man in Horoskopen mit einem Krebs-AC häufig einen “schwierig gestellten” Mars finden. Im Tierkreis steht Widder im Quadrat zu Krebs und so muß, wenn das ureigene Empfinden (Krebs) dämmern will, die aktive Selbstdurchsetzung (Widder/Mars) zunächst mal “Platz machen”. Oder wenn man – um noch ein Beispiel zu nennen – ein Horoskop mit einem Skorpion-Aszendenten betrachtet, wird man oft eine “schwach gestellte” Sonne finden. Auch das nicht nur astrologisch, sondern fast schon logisch, denn wenn es um dieDurchsetzung geistiger, kollektiver Interessen (Skorpion) geht, muß das EGO (die Sonne) ein wenig zurückstehen. Im Tierkreis steht Löwe im Quadrat zu Skorpion. Mag sein, daß ein solches Horoskop eine sensible Fische-Sonne aufweist oder die Sonne vielleicht ins 12. Haus geschickt wurde und sozusagen nur aus dem Hintergrund heraus strahlt.

Sehr oft allerdings haben Saturn oder die transpersonalen Energien, Uranos, Neptun oder Pluto die Aufgabe übernommen, im Sinne des Aszendenten für Ordnung im Horoskop zu sorgen und Gegenstimmen zum AC zunächst in Schach zu halten oder zu schwächen, bis der Mensch diese Kräfte transformiert hat, daß sie nicht mehr störend sind. Man findet dann oft – wie an dem Beispiel -Horoskop gezeigt – herausfordernde Konstellationen zwischen persönlichen Planeten (Sonne,  Mond, Merkur, Venus, Mars) einerseits und Saturn und den transpersonalen Kräften andererseits, was die Entfaltung persönlicher Bedürfnisse in der ursprünglichen Art erst mal abremst, wenn Saturn im harten Aspekt zu einem”persönlichen Planeten” steht oder schwächt, wenn Neptun in einem herausfordernden Aspekt zu einen “persönlichen Planeten” bildet, um nur zwei Beispiele zu nennen. Konstellationen, die den Horoskopeigner in der Regel erst mal vor Probleme stellen und die er als einschränkend, als enttäuschend oder gar als zerstörerisch erleben mag. Hier ist es wichtig, den Gesamtzusammenhang des Horoskopes zu erkennen und folgendes zu festzustellen:

1. Die Frustration oder Enttäuschung in Zusammenhang mit solch schwierigen Konstellationen hängt oft damit zusammen, daß der Mensch noch nicht bewußt zur Kraft seines AC steht. Er z.B. einen Widder-AC hat und damit aufgefordert ist, sich durchzusetzen, sich zu behaupten. Solange er diese Kraft nicht bewußt lebt und statt dessen z.B. ganz darauf ausgerichtet ist, alles zu tun, um endlich die Liebe und Zuneigung zu bekommen, nach der er sich so sehr sehnt, also stark von seinen venusischen Bedürfnissen geleitet ist, wird er mit Sicherheit enttäuscht werden, denn der Widder-AC wird sich dennoch durchsetzen und die ersehnte Harmonie zerstören (eine “schwierig gestellte” Venus im Sinne des Widder-AC wäre hier zu vermuten).

2. Es muß nicht bei den Schwierigkeiten bleiben und auch der Mensch mit Widder-AC muß keineswegs auf Liebe und Harmonie verzichten. Entscheidend ist, daß er erst mal die Kraft seines Aszendenten erkennt, sie bejaht und alles daran setzt, ihr bewußt zum Ausdruck zu verhelfen. Er wird dann darüberhinaus ganz sicher auch seinen individuellen Weg finden, alle anderen Bedürfnisse (z.B. seine Venus-Bedürfnisse) ebenfalls zu leben, möglicherweise auf ungewöhnliche Art, aber sie werden sich in der Form und in dem Maße verwirklichen lassen, in dem es für ihn und seine Entwicklung stimmig ist.

Diese einfachen strukturellen Zusammenhänge im Horoskop lassen ahnen, daß das, was der Horoskopeigner vielleicht zunächst als Schwierigkeiten und Hürden in seinem Leben empfindet,. ihm eigentlich helfen will, sich dessen bewußt zu werden, was er ist, oder: anders ausgedrückt: daß er – aus einer noch unbewußten Kraft heraus gesteuert – überall dort aneckt, wo er von seinem Weg abkommt, solange, bis er zu sich gefunden hat und sich lebt. Ein struktureller Ansatz, der die Stimmigkeit eines Horoskopes ahnen läßt und helfen kann in Einklang mit sich und seinen Anlagen zu leben.