Die Astrologie und der Stern von Bethlehem

Die Würzburger Astrologin Christa Hammer über die Deutung der Sterne ohne Ereignisvoraussagen

WÜRZBURG

Die Astrologie war im Altertum untrennbar mit der Astronomie verknüpft und als „Königin der Wissenschaften” bekannt. Heute versteht man sie als Para- oder Pseudowissenschaft, und in keiner Zeitschrift fehlt ein Horoskop als Unterhaltungs-Lektüre. Die Würzburgerin Christa Hammer, 51, ist Astrologin, hält von dieser Art der Sterndeutung aber wenig: „Ich lese so etwas nicht. Das ärgert mich nur.”

Die Leiterin des Würzburger Ausbildungszentrums des Deutschen Astrologen-Verbands ist eine Verfechterin der so genannten revidierten Astrologie. Dieses Konzept existiert seit den fünfziger Jahren und ist eng an eine psychologische Symbolik angelehnt. „Es gibt keine Prognosen in dem Sinne, dass ich zeitgenau Ereignisse vorhersagen kann”, erklärt Hammer. Die Astrologie soll vielmehr Entwicklungen aufzeigen, Orientierungs- und Lebenshilfe sein.

Christa Hammer hat ein Berufs-Gelöbnis unterschrieben: Sie trifft keine Ereignisvoraussagen.

Keine Voraussagen – keine Astro­logie, oder? „Das eine bedingt das andere nicht”, sagt Hammer. „Es besteht keine Kausalität: Weil der Mars so oder so steht, bin ich heute so aggressiv. So etwas gibt es nicht.” Eine bestimmte Konstellation deute auf eine besondere Energie hin, die von den Menschen genutzt werden solle. Die moderne Astrologie will sich als ein analoges Modell verstanden wissen: Die Sterne seien gewissermaßen ein Abbild der Situation auf Erden – oder umgekehrt.

Tendenzen für die Zukunft

So ließen sich auch für das neue Jahr keine konkreten Aussagen treffen, immerhin aber Tendenzen ausmachen: Anfang September 2007 wird der Saturn vom Löwen in das Zeichen Jungfrau wechseln. „In dieser Zeit lohnt es sich, zu prüfen, was vernünftig und einer Situation angemessen ist. Es geht darum, das rechte Maß zu finden, zum Beispiel beim Wirtschaften und Haushalten oder eben beim Erlassen von Arbeitsmarktgesetzen. Sparen ist in dieser Zeit wichtig, aber im rechten Maß.”

Außerdem wechsle Pluto nach 248 Jahren im Jahr 2008 vom Zeichen Schütze in das Zeichen Steinbock. „Im Jahr 2007 könnte also eine lange Verwandlung abgeschlossen werden. Da der Schütze für Fortschritt und Wachstum steht, könnte das ständige Verlangen nach Fortschritt und Wachstum nun abgeschlossen werden”, interpretiert die Astrologin. Mit dem Steinbock kämen neue Herausforderungen auf die Menschheit zu: „Der Steinbock steht unter anderem für Alter und Erziehung, also auch für Bildung oder ganz konkret das Schulsystem.”

Das Zeitalter des Wassermanns sei ein weiteres Beispiel für eine grundlegende Veränderung der Gesellschaft. „Wassermann steht für eine schnelllebige Zeit, für eine unruhige Energie, die Grenzen überwindet”, so Hammer, Nach den Berechnungen der Astrologie stehe die Menschheit derzeit im Übergang zu diesem Zeitalter, Hammer ist sich sicher, dass der erste „Wind” dieser Wassermann-Energie bereits zu fühlen ist: „Zeichen dafür ist zum Beispiel die schnelle Computertechnologie. In keinem Jahrhundert gab es so viele Entwicklungen wie im. vergangenen. Heute ist alles entwurzelt, und auch die Grenzen werden gesprengt. Etwa die europäischen.”

Das neue Zeitalter also ein schlechtes Zeichen?

„Nein. Die Astrologie wertet nicht. Es gibt keine guten oder schlechten Konstellationen. Es kommt immer darauf an, was wir daraus machen.” So könne Wassermann eben auch Freiheit und Neues bedeuten. Auch ein Geburtshoroskop könne nicht auf das Tierkreiszeichen alleine beschränkt werden, wie es gerne in Zeitschriften gehandhabt wird. „Das ist eine unzulässige Reduktion. Zu einem Horoskop gehören insgesamt acht Planeten, die Sonne und der Mond. Dann wiederum sind die Konstellationen untereinander von Bedeutung”, sagt Hammer. Man könne sich ein Geburtshoroskop wie eine Mitgift fürs Leben vorstellen, mit unterschiedlichen Talenten und Veranlagungen. Das hieße nicht, dass der Mensch sie zwangsläufig nutzen muss oder keine anderen entwickeln kann.

Interpretation ist das Hauptinstrument der Astrologie. Im Altertum war sie untrennbar mit der Astronomie verknüpft. Wahrend die Astronomie, wörtlich die Sternenkunde, die rechnerischen Unterlagen besorgte, kam der Astrologie die mythologische Deutung der Himmelskörper zu. „Die Trennung der beiden Wissenschaften kam etwa mit der französischen Revolution und dem Aufkommen des neuen aufklärerischen Zeitgeists.”

Sieben Jahre vor Christi Geburt

Erst im späten 19. Jahrhundert sei die Astrologie von Großbritannien aus langsam wieder aufgeblüht. Allerdings mit Veränderungen: „Die Astrologie hatte früher extrem wahrsagende Tendenzen. Die Menschen wollten wissen, welches Leben sie führen werden. Wie viele Kinder sie haben werden. Ob sie reich oder arm sein werden.” So etwas könnten heute nur noch Scharlatane als Astrologie bezeichnen.

Das frühe Christentum steht seit jeher in einem widersprüchlichen Verhältnis zur Astrologie. Mit dem Stern von Bethlehem wird einerseits die Geburt Christi astrologisch angekündigt, andererseits sah die Kirche des Mittelalters die Astrologie als Todfeind des Glaubens. Die Vorbestimmung des Schicksals widerspreche dem christlichen Glauben. Dennoch gab es sogar Päpste, wie Julius II., Paul III. und Leo X., die auf die Künste der Astrologie vertrauten. „Den Stern von Bethlehem gab es übrigens wirklich”, sagt Hammer. Nach ihren Berechnungen müsste es eine besondere Konstellation von Jupiter und Saturn gewesen sein, die den Himmel hell erstrahlen ließ – rein rechnerisch allerdings sieben Jahre vor Christi Geburt-.

Daten & Fakten

Faszination der Sterne

Seit alters her faszinieren Sterne und Himmelskörper die Menschen. Dass göttlicher Einfluss die Gestirne bewegt, glaubten im 2. Jahrtausend vor Christus die Sumerer, die ältesten Einwohner Babylons. Auf den Grabmälern ägyptischer Pharaonen aus dem 5. Jahrhundert vor Christus fand man Kalender mit astrologischem Inhalt. Die verschiedenen Lehren der babylonischen Sterndeutung waren auch den Griechen Jahrhunderte vor Christi bekannt. Die Maya beobachteten Sterne in dafür gebauten Observatorien und erstellten den berühmten Maya-Kalender.

Main-Post  Samstag,  den 23.12.2006

von unserem Redaktionsmitglied  BIANCA  LÖBBERT