Den roten Faden im Leben entdecken

Interview mit der Astrologin Christa Hammer

Institut für Astrologie & Symbolik« steht auf dem Türschild
von Christa Hammer (Jahrg. 1955).
Für UNSER AUFTRAG sprach Hajo Petsch mit der Würzburger Astrologin

UA: Wie wird man Astrologin?

Hammer: Man kann z.B. bei mir Astrologie lernen. Ich leite in Würzburg eine klei­ne Astrologieschule. Das ist eine Ausbildung von zweieinhalb Jahren, auf die dann eine überregio­nale Prüfung beim »Deutscher Astrologenverband« folgt. Dann darf man sich »geprüfte Astrolo­gin/geprüfter Astrologe (DAV)« nennen. Aller­dings ist der Beruf des Astrologen immer noch völlig ungeschützt. Viele eignen sich astrologi­sches Wissen im Selbststudium an.

UA: Wie war Ihr Weg zur Astrologie?
Hammer: Ich war im kaufmännischen Bereich tätig, aber der füllte mich nicht aus. So war ich auf der Suche nach einem Beruf, der mich anspricht. Dass das eines Tages die Astrologie sein würde, habe ich damals nicht geahnt. Ich hielt sie für Humbug. Doch dann habe ich trotzdem mal einen Astrologiekurs mitgemacht und ich spürte vom ersten Tag an: Das ist meine Sache. Ich habe mich von da an ganz intensiv mit Astrologie beschäftigt. Seit 1990 habe ich angefangen, dieses Wissen ganz sachte und langsam weiter zu vermitteln, habe Vorträge und Kurse bei der Volkshochschule gehalten. Ab und an kam auch eine Beratung dazu. Ich habe dann die Prüfung beim DAV abgelegt und mich 1998 selbstständig gemacht, um ausschließ­lich astrologisch tätig zu sein.

U A: Was hat Sie denn so an der Astrologie fasziniert?
Hammer: Dass das einmal mein Beruf werden sollte, konnte ich mir anfangs nicht vorstellen. Vielmehr hatte ich ganz klar das Gefühl, dass ich mich auf diesem Weg selbst finde, dass das etwas ist, das mir hilft, zu mir zu finden. Diese Faszi­nation trägt mich bis heute.

UA: Wie hilft die Astrologie dabei, sich selbst zu finden?
Hammer: Als Astrologin interpretiere ich Horos­kope. Wenn Sie zu mir kommen, dann würde ich mit Ihnen Ihr Geburtshoroskop betrachten. Das ist wie ein Blick in den Spiegel, der mir entdecken hilft, was ich sonst an meinem Gesicht nicht erkennen würde. Das Gleiche bietet das Horoskop auf seelischer Ebene. Das Horoskop ist so gesehen ein Weg zur Selbsterkenntnis, um das Potenzial, was mich ausmacht, besser zu erkennen und auch zu entfalten.

UA: Die Voraussetzung dabei ist doch, dass die Konstellation der Sterne im Moment meiner Gehurt mit mir zusammenhängt?
Hammer: Die Astrologie hat als Grundsatz: »Wie oben so unten!« Das wusste bereits die alte hermetische Philosophie. Oder christlich formuliert: »Wie im Himmel, so auf Erden!« Das bedeutet: Es wird ein analoger Zusammenhang hergestellt. Die Astrologie meint nicht, dass ein Planet am Himmel irgendeinen Strahl herunterschickt, so dass es dem Menschen dann gut oder schlecht geht. Vielmehr rechnet sie damit, dass eine bestimmte Zeitqualität zu einem bestimmten Moment wirksam ist. Diese Zeitqualität ist für die Astrologie am Himmel, an den Gestirnen ablesbar. Sie prägt alles, was zu diesem Moment in die Erscheinung getreten ist. Konkret: Wenn zu diesem Zeitpunkt ein Mensch geboren ist, dann geht die Astrologie davon aus, dass diese Zeitqualität in diesem Menschen leib­haftig wird und ihn prägt.

UA: Heißt das, dass Sie in meinem Horoskop bestimmte Aufgaben und Themen meines Lebens, auch die Sackgassen, in die ich immer wieder reinlaufe, diagnostizieren können ?
Hammer: Ja, das ist richtig. In Ihrem Horoskop steht, mit welchen Themen Sie sich auseinander setzen. Aber es steht nicht drin, was Sie konkret machen oder welche Ereignisse Ihnen bevorstehen. Man sieht einem Horoskop ja nicht mal an, ob es das Horoskop eines Menschen ist. Ich habe hier das Horoskop – also die Gestirnkonstellation – von heute 17.30 Uhr vor mir liegen. Daraus kann ich jetzt nicht ablesen, was zu diesem Zeitpunkt in Würzburg konkret passiert. Ich kann nur ablesen, welche Qualität dieser Zeitpunkt hat, welche The­men sich hier manifestieren. Die Kinder, die zu diesem Zeitpunkt geboren werden, werden durch diese Zeitqualität, diese Thematik geprägt sein.

UA: Und ein Horoskop hilft dann, diese Thematik zu erkennen ?
Hammer: Genau. Es kann sehr hilfreich sein, weil sich so eine Art roter Faden zeigt, mit dessen Hilfe man die verschiedensten Situationen und Szenen seines Lebens, also: ihre Bedeutung besser ver­stehen kann. Aber was im einzelnen passiert, das zeigt das Horoskop nicht.

UA: Was kommen für Menschen zu Ihnen?
Hammer: Die Frauen sind stark in der Überzahl, etwa 85 Prozent. Das Alterspektrum ist ganz unter­schiedlich. Vom Beruf her – die ganze Bandbreite.

UA: Wie gehen Sie im einzelnen vor?
Hammer: Wenn mich jemand anruft und einen Termin mit mir ausmacht, erfrage ich Geburtsort und -zeit. Dann erstelle ich schon vorab das Horoskop, um mich vorzubereiten. Dahinter steht oft eine bestimmte  Lebenssituation,  die  Menschen nachdenklich macht, oder ein gewisses Anliegen, das sie mit mir klären möchten. Meistens geht es um Partnerschaft, Familie oder Beruf. Ich versuche dann, anhand des Horoskops mit dem Menschen ins Gespräch über sein Anliegen zu kommen.

UA: Braucht es dazu nicht auch gute Menschen­kenntnis und Intuition?
Hammer: Ja, die bekommt man im Lauf der Zeit und sie ist auch sehr hilfreich. Das gilt auch für die Intuition, damit das Horoskop so lebensbezogen wie möglich gedeutet werden kann. Im Gespräch mit dem Menschen kann die Deutung dann ganz konkret werden.

UA: Wie lange dauert eine astrologische Beratung bei Ihnen?
Hammer: Zwei Stunden. Da geschieht oft sehr viel und so ist für mich jede astrologische Be­ratung eine Herausforderung. Für den Astrologen erzählt das Horoskop vom Lebensplan eines Men­schen. Man könnte das mit einer Regieanweisung für das »Theaterstück« des Lebens vergleichen. Die ist mir also klar, aber ich weiß gar nicht, ob der Mensch, der bei mir in Beratung ist, sich dessen schon bewusst ist. Jemand hat sich zum Beispiel mit der Rolle des Duckmäusers abgefunden und fühlt sich darin aber nicht wohl, verzweifelt an der Erfahrung, dass es im Leben um Macht geht. Nun zeigt das Horoskop klar, dass die Machtthematik für diesen Menschen wichtig wäre. In der Beratung kann ich dann nur nahe legen, selbst das Ruder in die Hand zu nehmen.

UA: Gibt es auch Klienten, die regelmäßig zu Ihnen kommen ?
Hammer: Ja, gut dreißig Prozent kommen häu­figer, einmal im Jahr oder in unsicheren Lebenssituationen, wenn es etwas zu klären gibt. Um bei meinem Bild vom Spiegel zu bleiben: wie ich im Spiegel immer neue Facetten meines Gesichts entdecke, so lassen sich auch beim Horoskop er wieder ganz neue Entdeckungen machen. Mir geht das mit meinem eigenen Horoskop auch nach 19 Jahren noch so.

UA: Ist für Sie Astrologie mit dem Glauben an Gott vereinbar?

Hammer: Der Schöpfer will, dass seine Schöpfung lebt und dass jedes Geschöpf einzigartig ist. Astrologie schaut dem Schöpfer nicht über die Schulter, aber sie versucht, die Symbole zu entschlüsseln, die Gott in seine Schöpfung hinein gelegt hat.Und so ist sie vielleicht Ausdruck der Liebe des Schöpfers zu seinen Geschöpfen. Sie hilft uns Menschen dabei, das zu leben, was in uns jeweils angelegt ist.

Fragen: Hajo Petsch